Das Aperschnalzen

Das Aperschnalzen ist im Alpenvorland ein alter, vorchristlicher Brauch. Über die Entstehung gibt es unterschiedliche Auffassungen.

Die geläufigste Meinung ist, dass es um das Winteraustreiben gehe. Durch Lärm sollen die bösen Mächte der Finsternis und Kälte vertrieben werden.

Aperschnalzen, Grasausläuten,
hört's ös net von allen Seit'n,
Winter, du saudummer Narr,
wirst denn heuer nimmer gar.

Manche Bauern wiederum glauben an einen Fruchtbarkeitsbrauch. Durch lautes Peitschenknallen soll die unter tiefer Schneedecke schlummernde Saat zu neuem Leben erweckt werden. Die dritte Überlieferung kommt einem SOS-Ruf aus der Pestzeit gleich:

Der vom Schwarzen Tod verschont geblieben ist, hat angeblich durch lautes Schnalzen auf sein Überleben aufmerksam gemacht.

Das Aperschnalzen wird laut schriftlichen Aufzeichnungen zum ersten mal 1730 urkundlich erwähnt. Im Jahre 1829 wurde in Bayern wegen Ruhestörung sogar ein richterliches Schnalzverbot erlassen.

Geschnalzt wird in Ortschaften beiderseits der Grenzflüsse Saalach und Salzach und zwar ausschließlich zwischen Weihnachten und der Fastenzeit. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem historischen Rupertiwinkel zu. Auf dem Wiener Kongreß wurden Stadt und Land Salzburg mit 1. Mai 1816 endgültig Österreich zugesprochen. Die Kornkammer des alten Erzstiftes Salzburg, nämlich die Pfleggerichte Waging, Tittmoning, Teisendorf und Laufen, blieben bei Bayern und bilden seither den bayrischen Teil des Rupertiwinkels. Die Schnalzervereinigung, die die Interessen der Aperschnalzer vertritt, erkennt nur Schnalzergruppen, die ihren Sitz im Rupertiwinkel haben, an.

Geschnalzt wird mit der Goaßl. Sie besteht aus einem Holzstiel und einem Hanfseil, das sich nach außen verjüngt und mit einem Pech eingelassen wird. Eine Goaßl misst im Regelfall dreieinhalb Meter. Am Ende der Goaßl wird der Bast befestigt. Durch eine schnelle Richtungsänderung entsteht der Knall.

Geschnalzt wird in kleinen Gruppen, die man Passen nennt. Eine Schnalzerpasse besteht meist aus neun Mann (immer eine ungerade Zahl), die zwei Durchgänge schnalzen. Der erste Schnalzer, der sogenannter „Aufdrahrer“, leitet das Schnalzen mit einem Ruf wie „Aufdraht, oani, zwoa, drei, dahin geht's" ein. Daraufhin schnalzen nacheinander alle neun Mann.

Einmal im Jahr, und zwar eine Woche vor dem Faschingssonntag, treffen sich alle Passen zum „Rupertigau-Preisschnalzen". An dieser Brauchtumsveranstaltung beteiligen sich mehr als 1.000 aktive Schnalzer aus Salzburg und Bayern.

1995 hatten die Schnalzergruppen der Gemeinde Bergheim die Möglichkeit, nach 30 Jahren, dieses große Preisschnalzen wieder auszurichten.

Noch eine Woche früher, also eine Woche vor dem großen Rupertigau-Preisschnalzen, gibt es in unserer Region die Generalprobe dafür. Das sogenannte Gemeindeschnalzen, bei dem sich die Schnalzergruppen aus Anthering, Bergheim, Liefering, Maxglan, Muntigl und Steindorf beteiligen.

Ein Brauch der sehr eng mit dem Schnalzen in Verbindung steht, ist jener der Habergoaß. Sie zieht bei den Preisschnalzen umher und übernimmt die Aufgabe, die ansonst dem Hanswurst zukommt. Ein Gedicht besagt darüber:

Muaß da Winta, da Gsöll, unser Land verlassen,
springt 'n d'Habergoaß‘n on,
daß a steh'nimma ko,
und dö Vorlandla singan, das Fruhjahr fangt o.
drum kemmt 's liabe Leut,
dö mitm Schnalzen a Freud,
helfts brav mit und springts ein,
oft werd's Frialing bald sei!


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